






Die Schrift ohne Titel
Die fünfte Schrift in Kodex II hat keinen Titel; doch ist
diese Sammlung gnostischer Lehren auch unter dem Titel ,Über den Ursprung der
Welt` bekannt, da sie sich , ähnlich wie Noema, vor allem mit der Entstehung
der Welt und des Menschen (in Anschluß an Gen 3) und dem Ende der Welt befaßt.
Besonders sticht das gnostisch--heilsgeschichtliche Denken in diesem Text hervor.
Seine ausgeprägte Universaleschatologie räumt mit dem Vorurteil auf, die
Gnosis sei nur an der Erlösung des Individuums interessiert. Auffällig ist das
Fehlen einer Schilderung der himmlischen Welt und der irdischen Geschichte. Es
findet sich auch keine Entfaltung eines gnostischen Systems. Dies macht die
Zuordnung der Schrift zu einer bestimmten gnostischen Schule schwierig. Es
bestehen jedoch Ähnlichkeiten zu Ir.\ haer. I.3 und der Barbelognosis. Während
christliche Einflüsse offenbar gering sind, bestehen starke Entsprechungen mit
jüdischen und manichäischen Traditionen.
Die teilweise enge Entsprechung zur manichäischen Theologie
gibt Hinweise auf das mögliche Abfassungsdatum der Schrift: Aufgrund der
verschiedenen Einflüsse (jüdisch, hellenistisch etc.) legt sich Ägypten als
Entstehungsort nahe. Die vorliegende Gestalt des Textes kann frühestens am Ende
des 3. Jahrhunderts entstanden sein, weil erst ab diesem Zeitpunkt manichäische
Einflüsse in Ägypten bezeugt sind.
Die Endgestalt unserer Schrift ist erst ins dritte/vierte
Jahrhundert zu datieren, aber der Vf. bzw. Redaktor hat zahlreiche ältere
Quellen verarbeitet. Die außerordentlich engen Entsprechungen von OT zu HypArch
könnten darauf zurückzuführen sein, daß beide Texte ähnliche Quellen
verarbeitet haben. An zahlreichen Stellen gibt der Vf. Hinweise, in welchen
gnostischen (uns weitgehend unbekannten) Offenbarungsschriften die von ihm
angesprochenen Themen genau nachzulesen sind (z.B. 102, 24f.)
,
an einigen Stellen finden sich auch Zitate aus solchen Büchern (z.B. 110,29ff.;
auch: 114, 7ff.). Insofern ist die vorliegende Schrift ein Zeugnis für den
freien Umgang mit Traditionen in der Gnosis.
Der Form nach ist OT schwer einzuordnen: Es finden sich
apokalyptische Motive, aber konstitutive Merkmale der Apokalypse wie z.B.
Visionen fehlen. Der belehrende Stil weist auf einen Schulbetrieb hin. In diesem
Zusammenhang sind auch die häufigen Etymologien (vgl. z.B. 100,12ff.) und
Hinweise auf andere Offenbarungsbücher zu nennen. Auch die Anreden und
Aufforderungen (vgl. z.B. 123,2ff.) weisen auf den lehrhaften Charakter hin.
Für die Gliederung wird die Einteilung der Schrift in
Sinnabschnitte von A. Böhlig, Schrift, und H.--G. Bethge, NHS 21, -- ohne Berücksichtigung
der quellenkritischen Probleme -- weitgehend übernommen. Es ist jedoch davon
auszugehen, daß neben zusammenhängenden Abschnitten, die in den Text
eingearbeitet worden sind (vgl. z.B. den Abschnitt über die Phönixgestalten
122,1ff.), der Schrift grundsätzlich zwei Quellen zugrunde liegen, die man an
der unterschiedlichen Bezeichnung für die Archonten identifizieren kann
.
Ein Teil von OT aus Kodex II (97,4--98,5) ist auch in Kodex
XIII überliefert. Im Britischen Museum finden sich zudem 12 Fragmente einer
subachmimischen Version von OT. Die mehrfache Überlieferung des Textes weist
auf seine hohe Bedeutung hin.
Die Entstehung des Chaos
Wenn es eine Übereinstimmung gibt ( 98.1) unter allen
Menschen das Chaos betreffend, (ist sie folgende): Es ist eine Finsternis! Es
ist aber etwas aus einem Schatten. Man nannte es Finsternis. Und der Schatten
kommt aus einem Werk, welches existiert hat (5) seit Anbeginn. Es ist nämlich
offenbar, daß es (sc.\ das Werk) existierte, bevor das Chaos entstanden ist,
und daß er (sc. der Schatten) dem ersten Werk gefolgt ist.
Laßt uns nun der Wahrheit auf den Grund gehen
und auch dem ersten Werk, aus dem das Chaos hervorgegangen ist. (10) So aber
wird der Beweis der Wahrheit offenbar.
Die Entstehung der Sophia
Nachdem sich aber die Natur der Unsterblichen aus dem
Grenzenlosen vollständig entwickelt hatte
,
floß ein Bild aus der Pistis, das Sophia genannt wird. Es entwickelte einen
Willen. (15) Es
wurde zu einem Werk, das dem zuerst existierenden Licht glich. Und sofort
offenbarte sich ihr Wille als ein Bild des Himmels, indem es (sc. das Bild des
Himmels) eine unvorstellbare Größe hatte. (20) Es befand sich zwischen den
Unsterblichen und denen, die nach ihnen entstanden sind wie *...*, wobei sie (sc.
Sophia) wie ein Vorhang war, der die Menschen und die Dinge des Himmels trennte.
Über den Schatten
Der Äon der Wahrheit hat keinen Schatten außerhalb seiner,
(25) denn das grenzenlose Licht ist überall in ihm. Aber sein Äußeres ist
(der) Schatten. Man nannte ihn Finsternis. Von dort aber trat eine Kraft in
Erscheinung über der Finsternis. Aber die Kräfte, (30) die nach ihnen
entstanden sind, nannten den Schatten ,das grenzenlose Chaos`. Aus ihm sproß
jedes [Geschlecht] der Götter hervor [...] zusammen mit dem ewigen Ort, [so daß]
nun [der Schatten] dem ersten ( 99.1) Werk nachfolgte. Es war *in* der
Tiefe, wo [er (sc. der Schatten)] offenbar wurde durch die oben erwähnte Pistis.
Über den Neid des Schattens
Dann aber bemerkte der Schatten, daß es etwas gab, das stärker
war als er. Und er wurde neidisch. Und als er schwanger geworden war (5) von
sich selbst, brachte er plötzlich den Neid hervor. Seit jenem Tag trat das
Prinzip des Neides in allen Äonen und ihren Welten in Erscheinung. Jener Neid
wurde als Fehlgeburt gefunden ohne (10) Geist in ihm. Wie ein Schatten ist er in
einer wäßrigen Substanz entstanden. Darauf wurde der Haß, der aus dem
Schatten entstanden war, in eine Region des Chaos geworfen.
Die Entstehung der Materie
Seit diesem Tag trat eine wäßrige Substanz (15) in
Erscheinung. Und was in ihr versunken war, floß heraus, wobei es im Chaos
sichtbar wurde
.
Wie bei einer Frau, die ein Kind gebiert -- alles Überflüssige von ihr floß
heraus. In dieser Art entstand die Materie aus (20) dem Schatten und wurde nach
außen geworfen. Und sie ist nicht aus dem Chaos gekommen, sondern die Materie
war in dem Chaos, indem sie ein Teil von ihm war.
Die Entstehung des Jaldabaoth
Als diese Dinge sich ereignet hatten, kam Pistis und trat in
Erscheinung in der Materie des (25) Chaos, welche (weg--)geworfen wurde wie eine
Fehlgeburt. Es war nämlich kein Geist in ihr. Denn sein (sc. des Chaos) Ganzes
war grenzenlose Finsternis und grundloses Wasser.
Als nun Pistis sah, was hervorgekommen war (30) aus ihrem
Mangel, geriet sie in Verwirrung. Und die Verwirrung trat als fürchterliches
Werk in Erscheinung. Es eilte nun [zu] ihm im Chaos. Sie wandte sich ihm zu und
[hauchte] in sein Gesicht in dem Abgrund, der unterhalb ( 100.1) aller
Himmel ist.
Als Pistis Sophia nun den Wunsch hatte, daß das, was ohne
Geist war, einen Typos eines Bildes annehme und über die Materie herrsche und
über alle ihre (5) Kräfte, da erschien zum ersten Mal ein Archon aus den
Wassern, löwenartig im Aussehen, mannweiblich, eine große Macht in sich habend
und unwissend, woher er entstanden war. (10) Als nun Pistis Sophia sah, wie er
sich in der Tiefe der Wasser bewegte, sagte sie zu ihm: ,,Kind, setze hierher über``,
dessen Auflösung ,jalda baoth` ist.
Seit jenem Tag trat das Prinzip (15) des Wortes in Erscheinung,
das die Götter und die Engel und die Menschen erreicht hat. Und das, was
entstanden ist durch das Wort, vollendeten die Götter und die Engel und die
Menschen.
Über die Unwissenheit des Jaldabaoth
Der Archon Jaldabaoth nun (20) ist unwissend über die Kraft
der Pistis: er hat ihr Gesicht nicht gesehen, sondern er sah (nur) in dem Wasser
das Bild, das mit ihm sprach. Und wegen jener Stimme nannte er sich selbst
Jaldabaoth. Aber (25) die Vollkommenen nennen ihn Ariael, denn er war wie ein Löwe.
Der Rückzug der Pistis
Als er nun Macht über die Materie erlangt hatte, zog sich
Pistis Sophia zu ihrem Licht zurück.
Die Entstehung der Welt
Als der Archon (30) seine Größe sah -- und es war nur er
selbst, den er sah; er sah nichts anderes außer Wasser und Finsternis --, da
dachte er, daß nur er allein existierte. Sein [...] war vollendet durch das
Wort. ( 101.1) Es erschien als ein Geist, der sich auf den Wassern hin
und her bewegte. Und als jener Geist in Erscheinung trat, sonderte der Archon
die wäßrige Substanz ab in eine Region. Und was trocken war, (5) wurde in eine
andere Region abgeteilt. Und aus der Materie machte er sich selbst einen
Wohnsitz, und er nannte ihn ,Himmel`. Und aus der Materie machte der Archon
einen Fußschemel, und er nannte ihn ,Erde`.
Die Entstehung der archontischen Wesen
Darauf (10) hatte der Archon einen Gedanken -- gemäß seiner
Natur.
Er erschuf durch das Wort ein mannweibliches Wesen.
Er öffnete seinen Mund und rühmte sich (seiner)
.
Als seine Augen geöffnet worden waren, blickte er zu seinem Vater, und er sagte
zu ihm: ,,i!``.
Sein (15) Vater nannte ihn aber ,Jao`.
Wiederum schuf er den zweiten Sohn.
Er rühmte sich (seiner).
Und er öffnete seine Augen und sagte zu seinem Vater: ,,e!``.
Und sein Vater nannte ihn ,Eloai`.
Wiederum schuf er (20) den dritten Sohn.
Er rühmte sich (seiner).
Und er öffnete seine Augen und sagte zu seinem Vater: ,,as!``.
Sein Vater nannte ihn ,Astaphaios`.
Diese sind die drei Söhne ihres Vaters.
Sieben erscheinen im Chaos, mannweiblich. (25) Sie haben ihren
männlichen Namen und ihren weiblichen Namen.
Der weibliche Name (des Jaldabaoth) ist ,Pronoia Sambathas`,
das heißt ,die Siebenheit`.
Und sein Sohn wird genannt: ,Jao`; sein weiblicher Name ist ,die Herrschaft`.
(30) Sabaoth: sein weiblicher Name ist ,die Göttlichkeit`;
Adonaios: sein weiblicher Name ist ,das Königreich`;
Eloaios: sein weiblicher Name ist ,der Neid`;
Oraios: sein weiblicher Name ist ,der Reichtum`;
und Astaphaios: sein [weiblicher] Name ( 102.1) ist ,die Weisheit`.
Dies sind die [sieben] Mächte der sieben Himmel des [Chaos].
Und sie sind mannweiblich entstanden, entsprechend dem unsterblichen Typos, der
vor ihnen existierte, nach dem Willen (5) der Pistis, damit das Bild von dem,
was existierte seit Anbeginn, herrschen möge bis zum Ende. Du wirst die Wirkung
dieser Namen und die Macht der Männlichen in dem (Buch) Erzengellehre des
Propheten Moses und die (10) Namen der Weiblichen in dem Ersten Buch der
Noraia finden.
Die Erschaffung der Himmel für die Archonten
Nun schuf der Archigenetor Jaldabaoth, weil er große Mächte
besaß, Himmel für jeden seiner Söhne durch das Wort, die schön waren, als
Wohnorte (15) -- und in jedem Himmel schuf er große Herrlichkeiten, die
siebenmal auserwählt sind. Throne und Wohnungen und Tempel und ebenso Wagen und
jungfräuliche Geister bis hinauf zu einem Unsichtbaren und ihre Herrlichkeiten
-- jeder einzelne (20) hat diese in seinem Himmel: kraftvolle Heere von Göttern
und Herren und Engeln und Erzengeln -- zahllose Myriaden, damit sie ihnen
dienen.
Die Kunde über diese Dinge wirst du genauer im Ersten
Logos (25) der Oraia finden.
Und sie wurden vollendet von diesem Himmel bis hinauf zu dem
sechsten Himmel, nämlich dem der Sophia.
Über die Erschütterung des Himmels
Der Himmel und seine Erde wurden umgestürzt durch den Erschütterer,
der unter ihnen allen war. Und die sechs Himmel zitterten gewaltig, (30) denn
die Mächte des Chaos wußten, wer der war, der den Himmel, der unter ihnen war,
zerstört hatte. Als aber Pistis die Beschädigung des Erschütterers erkannte,
schickte sie ihren Hauch hervor und fesselte ihn und warf ihn hinab in den
Tartaros (=Unterwelt). (35) Seit jenem Tag festigte sich der Himmel zusammen mit
( 103.1) seiner Erde durch Sophia, die (Tochter) Jaldabaoths, die unter
ihnen allen ist
Über den Hochmut des Jaldabaoth
Als sich aber die Himmel gefestigt hatten zusammen mit ihren Mächten
und ihrer ganzen Einrichtung, wurde der Archigenetor (5) hochmütig. Und er
wurde gepriesen von dem gesamten Heer der Engel. Und alle Götter und ihre Engel
ehrten und rühmten ihn. Er aber seinerseits war voll von Freude und brüstete
sich ununterbrochen, (10) indem er zu ihnen sagte: ,,Ich brauche niemanden.``
Und er sagte: ,,Ich bin Gott, und es gibt keinen anderen außer mir.``

Und als er dies gesagt hatte, sündigte er gegen alle
Unsterblichen, welche Antwort gaben. Und sie bewahrten es (15) für ihn auf.
Der Tadel an den Archonten
Dann, als Pistis die Gottlosigkeit des großen Archon sah,
wurde sie vom Zorn erfüllt. Sie war unsichtbar. Sie sagte: ,,Du irrst dich,
Samael``, das heißt ,der blinde Gott`. Es existiert ein unsterblicher Mensch
des Lichtes, der (20) vor dir existiert hat und der in Erscheinung treten wird
in euren Gebilden. Er wird dich niedertreten, ganz wie Töpferton getreten wird.
Und du wirst hinabsteigen zu deiner Mutter, der Tiefe, zusammen mit denen, die
dir gehören. (25) Denn an der Vollendung eurer Werke wird der ganze Mangel, der
sichtbar geworden ist aus der Wahrheit, aufgelöst werden. Und er wird aufhören
zu existieren und wird sein, als ob er nie gewesen wäre.``
Als die Pistis dies gesagt hatte, offenbarte sie (30) das Bild
ihrer Größe in den Wassern. Und in dieser Weise zog sie sich zurück zu ihrem
Licht.
Über die Umkehr des Sabaoth und ihre Folgen
Als nun Sabaoth, der Sohn Jaldabaoths, die Stimme der Pistis hörte,
brachte er ihr Lobpreis dar, und [er] (35) verurteilte den Vater [...] ( 104.1)
auf das Wort der Pistis (hin). Er pries sie, denn sie hatte sie über den
unsterblichen Menschen und sein Licht belehrt. Darauf streckte Pistis Sophia
ihren Finger aus und goß über ihn (5) Licht von ihrem Licht aus zur
Verurteilung seines Vaters.
Als nun Sabaoth erleuchtet war, empfing er große Macht gegen
alle Gewalten des Chaos. Seit diesem Tag wurde er genannt (10) ,Herr der Mächte`.
Er haßte seinen Vater, die Finsternis, und seine Mutter, den
Abgrund, und verabscheute seine Schwester, den Gedanken des Archigenetor, der
sich auf den Wassern hin und her bewegte. Und wegen seines Lichtes waren alle Mächte
des Chaos neidisch (15) auf ihn. Und als sie in Bestürzung geraten waren,
machten sie einen großen Krieg in den sieben Himmeln.
Die Entrückung Sabaoths in den siebten Himmel
Als nun Sophia diesen Krieg gesehen hatte, sandte sie sieben
Erzengel zu Sabaoth von ihrem Licht aus. (20) Sie entrückten ihn bis in den
siebten Himmel hinauf. Sie stellten sich vor ihn hin als Diener. Wiederum sandte
sie ihm drei weitere Erzengel und befestigte das Königreich über jedem für
ihn, daß er wohnen möge (25) über den zwölf Göttern des Chaos.
Die Unterweiserin Sabaoths
Als nun Sabaoth den Ort der Ruhe in Empfang genommen hatte als
Antwort für seine Buße, gab ihm Pistis noch ihre Tochter Zoe (Leben) zusammen
mit einer großen Macht, damit sie (30) ihn unterweisen möge in allen Dingen,
die in dem achten (Himmel) existieren.
Über den Wohnort und den Thron des Sabaoth
Als er nun Macht hatte, machte er sich zuerst einen Wohnort.
Dieser ist groß, überaus herrlich (und) siebenmal so groß wie alle (Wohnorte),
die existieren (35) [in den] sieben Himmeln.
Und vor ( 105.1) seinem Wohnort erschuf er einen Thron,
der groß war und der sich auf einem viergesichtigen Wagen, genannt Cherub,
befand
.
Der Cherub nun hatte (5) acht Formen an jeder der vier Ecken, Löwen--Formen und
Rinder--Formen und Menschen--Formen und Adler--Formen, so daß alle Formen (zusammen)
vierundsechzig Formen ergeben (10) --- (und er schuf) sieben Erzengel, die vor
ihm stehen. Er ist der Achte, und er hat Macht. Alle Formen nun ergeben (zusammen)
zweiundsiebzig. Von diesem Wagen aus nahmen nun zweiundsiebzig Götter Gestalt
an; (15) sie nahmen Gestalt an, damit sie herrschen mögen über die
zweiundsiebzig Sprachen der Völker
.
Die Entstehung der Seraphim
Und auf jenem Thron nun erschuf er andere, drachenähnliche
Engel, genannt Seraphim
,
welche ihm allezeit Lobpreis darbringen.
Die Erschaffung der Engel--Kirche
(20) Anschließend erschuf er eine Kirche der Engel
,
Tausende und Myriaden, unzählbar, die der Kirche im achten Himmel glich; und
einen Erstgeborenen, genannt Israel, das (25) heißt ,der Mensch, der Gott sieht`
.;
und einen anderen, genannt Jesus Christus, der dem Erlöser oben in dem achten
Himmel gleicht und der zu seiner Rechten sitzt auf einem geehrten Thron. Und zu
seiner Linken (30) sitzt die Jungfrau des Heiligen Geistes auf einem Thron und
ehrt ihn. Und die sieben Jungfrauen stehen vor ihr, ... wobei ihnen dreißig
Zithern und Harfen und ( 106.1) Trompeten zu eigen sind, und sie ehren
ihn. Und alle Heerscharen der Engel ehren und preisen ihn.
Die Unterweisung Sabaoths
Er sitzt nun aber auf einem Thron des Lichtes *mit/in einer*
großen Wolke, die ihn bedeckt. (5) Und es war niemand bei ihm in der Wolke außer
Sophia, *der Tochter* der Pistis, die ihn über alle Dinge, die im achten (Himmel)
existierten, belehrte, so daß die Abbilder dieser Dinge geschaffen würden,
damit seine Herrschaft bestünde (10) bis zur Vollendung der Himmel des Chaos
und ihrer Kräfte.
Die Trennung in rechts und links
Die Pistis Sophia aber sonderte ihn von der Finsternis ab und
(be)rief ihn an ihre Rechte. Und den Archigenetor stellte sie an ihre Linke.
Seit jenem Tag wurde rechts ,die Gerechtigkeit` genannt, (15) und links wurde
,die Ungerechtigkeit` genannt. Deswegen nun empfingen sie alle eine Ordnung der
Kirche der Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit ... stehen ... über einem
Erschaffenen ... alle

Der Neid des Jaldabaoth auf seinen Sohn Sabaoth und die
Hervorbringung des Todes
Als nun der Archigenetor des Chaos (20)
seinen Sohn Sabaoth sah und die Herrlichkeit, in der er war, (und begriff), daß
er besser war als alle Mächte des Chaos, wurde er neidisch auf ihn. Und als er
zornig wurde, brachte er hervor den Tod aus seinem Tod. Und er (sc. der Tod)
wurde eingesetzt über den sechsten (25) Himmel, *denn* Sabaoth war von jenem
Ort aus entführt worden. Und so vollendete sich die Zahl der sechs Mächte des
Chaos.
Die Söhne des
Todes
Darauf vermischte sich der Tod, der mannweiblich war, mit
seiner (eigenen) Natur und brachte hervor sieben mannweibliche Söhne.
(30) Dies sind die Namen der Männlichen:
der Neid,
der Zorn,
das Weinen,
das Seufzen,
die Klage,
das Jammern,
das Stöhnen.
Und dies sind die Namen der Weiblichen:
der Zorn,
das Leiden,
die Lust, das Seufzen,
der Fluch,
die Bitterkeit,
die Streitsucht.
(35) Sie hatten Geschlechtsverkehr miteinander. Und jeder
brachte sieben hervor, so daß sie (zusammen) ( 107.1) neunundvierzig
mannweibliche Dämonen ergaben. Ihre Namen und ihre Wirkungen wirst du im Buch
des Solomon finden.
Die Kräfte der Zoe
Und im Angesicht dieser schuf Zoe, die (5) mit Sabaoth war,
sieben gute mannweibliche Kräfte.
Dies sind die Namen der Männlichen:
der Neidlose,
der Gesegnete,
der Freud*volle*,
der Wahrhaftige,
der Mißgunstlose,
der Geliebte,
(10) der Glaubwürdige.
Was aber die Weiblichen betrifft, dies sind ihre Namen:
der Friede,
die Freude,
der Jubel,
die Seligkeit,
die Wahrheit,
die Liebe,
der Glaube.
Und aus diesen stammen viele gute und unschuldige Geister.
Ihre Einflüsse (15) und ihre Wirkungen wirst du finden in den Gestalten der
Heimarmene (=Schicksal) des Himmels, der unterhalb der zwölf ist.
Die Betrübnis des Jaldabaoth
Nachdem der Archigenetor aber das Abbild der Pistis in den
Wassern gesehen hatte, wurde er sehr betrübt, (20) besonders als er ihre Stimme
hörte, wobei sie gleich war der ersten Stimme, die ihn aus den Wassern
herausgerufen hatte. Und als er erkannte, daß sie es war, die ihm einen Namen
gegeben hatte, seufzte er. Er war beschämt wegen seines (25) Fehltritts. Und
als er in Wahrheit zur Erkenntnis gelangt war, daß ein unsterblicher Mensch des
Lichtes vor ihm existierte, geriet er in große Erschütterung; denn er hatte
vorher zu allen Göttern und ihren Engeln gesagt: ,,(30) Ich bin Gott. Es gibt
keinen außer mir.``
Er war nämlich in Furcht versetzt worden, daß sie etwa erkennen könnten, daß
ein anderer vor ihm existierte, und daß sie ihn verurteilen könnten.
Die Erscheinung des Licht--Menschen
Er aber, wie ein Unverständiger, (35) dachte gering über die
Verurteilung. Und er wurde wagemütig. Er sagte: ,,Wenn ( 108.1)
irgendetwas vor mir existierte, laß es in Erscheinung treten, auf daß wir sein
Licht sehen!`` Und sofort, siehe, ein Licht kam aus dem achten (Himmel) oben und
durchquerte alle Himmel (5) der Erde.
Als der Archigenetor sah, daß das Licht schön war, indem es
leuchtete, wunderte er sich. Und er war sehr beschämt. Als jenes Licht in
Erscheinung trat, offenbarte sich ein menschliches Bild in ihm, das sehr
wunderbar war. (10) Und niemand sah es außer dem Archigenetor und der Pronoia,
die bei ihm war. Sein Licht offenbarte sich aber allen Kräften der Himmel.
Deswegen wurden sie alle durch es in Verwirrung gestürzt.
Das Verlangen der Pronoia und die Folgen
Als (15) nun Pronoia diesen Engel sah, entflammte sie aus
Liebe zu ihm. Er aber haßte sie, denn sie war in der Finsternis. Sie aber
verlangte, ihn zu umarmen, (aber) sie war nicht in der Lage dazu. Als sie ihre
Liebe nicht befriedigen konnte, goß sie ihr Licht über die Erde aus.
Von (20) jenem Tag an wurde jener Engel ,Adam des Lichtes`
genannt, dessen Übersetzung ist ,der lichte Mensch des Blutes`, und die Erde, *auf*
der es (sc. das Licht) sich ausbreitete, (wurde genannt) ,heilige Adamas`,
dessen Übersetzung ist ,das heilige Land des Adamantine`. (25)
Seit jenem Tag brachten alle Mächte dem Blut der Jungfrau
Ehre dar. Und die Erde wurde gereinigt wegen des Blutes der Jungfrau. Am meisten
aber wurde das Wasser gereinigt durch das Abbild der Pistis (30) Sophia, die dem
Archigenetor in den Wassern erschienen war. Mit Recht nun wurde gesagt: ,durch
die Wasser`. Das heilige Wasser, das alles lebendig macht, ( 109.1)
reinigt sie (sc. die Erde).
Das Erscheinen des Eros
Aus diesem ersten Blut trat der Eros in Erscheinung, wobei er
mannweiblich war. Seine Männlichkeit ist Himireris, weil er Feuer aus dem Licht
ist. Seine Weiblichkeit (5), die mit ihm ist, eine Seele von Blut, stammt aus
dem Wesen der Pronoia. Er ist sehr schön in seiner Schönheit, denn er besitzt
mehr Charme als alle Geschöpfe des Chaos.
Als nun alle Götter und ihre Engel den Eros sahen, (10)
entflammten sie aus Liebe zu ihm. Als er sich unter ihnen allen offenbarte,
entflammte er sie -- in der Art wie von einer einzelnen Lampe viele Lampen entzündet
werden, und ein und dasselbe Licht dort ist, die Lampe aber nicht abnimmt. Und
in dieser Weise breitete sich der Eros (15) aus in allen geschaffenen Dingen des
Chaos und nahm (doch) nicht ab.
Die Folgen des Eros
So wie der Eros aus der Mitte zwischen Licht und Finsternis in
Erscheinung trat und in der Mitte zwischen Engeln und Menschen (20) die
geschlechtliche Vereinigung des Eros vollendet war, so wuchs in der Erde die
erste Lust.
Die Frau folgte der Erde.
Und die Hochzeit folgte der Frau.
Die Geburt folgte der Hochzeit.
Die Auflösung (25) folgte der Geburt
.
Nach jenem Eros wuchs der Weinstock heraus aus diesem Blut,
welches ausgegossen war auf der Erde. Deswegen bringen die, die von ihm trinken,
das Verlangen nach geschlechtlicher Vereinigung hervor. (30) Nach dem Weinstock
wuchsen ein Feigenbaum und ein Granatapfelbaum aus der Erde heraus, zusammen mit
den übrigen Bäumen, alle Arten, wobei sie mit ihnen ihren Samen haben aus dem
( 110.1) Samen der Mächte und ihrer Engel.
Die Erschaffung des Paradieses
Darauf schuf die Gerechtigkeit das Paradies, welches schön
ist und außerhalb des Kreises des Monds und des Kreises der Sonne liegt in (5)
dem Land der Üppigkeit, im Osten inmitten der Steine. Und die Begierde ist
inmitten der schönen, appetitanregenden Bäume.
Über die Bäume
des Paradieses
Und der Baum des ewigen Lebens, wie er in Erscheinung getreten
ist durch den Willen Gottes, (10) befindet sich im Norden des Paradieses, so daß
er die Seelen der Reinen unsterblich mache, die hervorkommen werden aus den
Gebilden der Armut zum Zeitpunkt der Vollendung des Äons. Die
Farbe des Baumes des Lebens aber gleicht der Sonne. Und (15) seine Zweige
sind schön. Seine Blätter gleichen denen der Zypresse. Seine Frucht gleicht
einem Bund von Weintrauben, wobei sie weiß ist. Seine Höhe geht hinauf bis in
den Himmel.
Und neben ihm (befindet) sich der Baum der Erkenntnis, wobei
er die Kraft (20) Gottes hat. Seine Herrlichkeit gleicht dem Mond, wenn er sehr
leuchtet. Und seine Zweige sind schön. Seine Blätter gleichen Feigenblättern.
Seine Frucht gleicht guten, appetitanregenden Datteln. Dieser nun befindet sich
im Norden des Paradieses, (25) so daß er die Seelen aus dem Schlaf der Dämonen
erwecke, damit sie zum Baum des Lebens kommen und von seiner Frucht essen und so
die Mächte und ihre Engel verurteilen.
Die Wirkung (30) dieses Baumes ist beschrieben in dem Heiligen
Buch
(wie folgt):
,,Du bist der Baum der Erkenntnis,
der sich im Paradies befindet,
der, von dem der erste Mensch gegessen hat,
der seinen Verstand geöffnet hat.
Er liebte seine Paargenossin.
Er verurteilte ( 111.1) die anderen, fremden Bilder.
Er verabscheute sie.``
Anschließend sproß der Ölbaum hervor, der die Könige und
Hohenpriester der Gerechtigkeit reinigen wird, die (5) in den letzten Tagen in
Erscheinung treten werden, da sich der Ölbaum offenbart hatte aus dem Licht des
ersten Adam wegen der Salbung, die sie empfangen werden
.
Die Erschaffung der Pflanzen
Die erste Seele aber hat den Eros geliebt, der mit ihr war;
sie hat ihr Blut (10) auf ihn und auf die Erde vergossen. Und aus jenem Blut
wuchs zuerst die Rose hervor, aus der Erde, aus dem Dornbusch, zur Freude des
Lichtes, das sich im Dornbusch offenbaren wird
.
(15) Anschließend wuchsen wiederum die (anderen) schönen,
wohlriechenden Blumen aus der Erde heraus, verschiedene Arten, von jeder
einzelnen Jungfrau der Töchter der Pronoia.
Und nachdem sie aus Liebe zu dem Eros entflammten, vergossen
(20) sie ihr Blut auf ihn und auf die Erde. Danach wuchsen alle Pflanzen heraus
aus der Erde, verschiedene Arten, die den Samen der Mächte und ihrer Engel
hatten.
Die Erschaffung der Tiere
Danach erschufen die Mächte (25) aus den Wassern alle Arten
von Tieren, und die Reptilien und die Vögel, verschiedene Arten, die den Samen
der Mächte und ihrer Engel hatten.
Die Rückkehr des Licht--Adam
Aber vor allen diesen, als er in Erscheinung getreten war (30)
am ersten Tag, blieb er auf der Erde ungefähr zwei Tage und setzte die untere
Pronoia in den Himmel und ging hinauf zu seinem Licht. Und sofort bedeckte
Finsternis die ganze Welt
Die Ordnung des Himmels
( 112.1) Als aber die Sophia, die in dem unteren Himmel
war, den Wunsch äußerte, empfing sie Macht von der Pistis; und sie bildete große
leuchtende Körper und alle Sterne. Und sie setzte sie in den Himmel, damit (5)
sie auf die Erde scheinen und damit sie vollenden die Zeitzeichen und
(Jahres)zeiten und Jahre und Monate und Tage und Nächte und Augenblicke und
alles übrige. Und auf diese Weise wurde der ganze Ort am Himmel geordnet.
Über die Welt des Licht--Adam
(10) Als nun der Adam des Lichtes in sein Licht hineingehen
wollte -- das heißt (in) den achten (Himmel) --, vermochte er es nicht wegen
der Armut, die sich mit seinem Licht verbunden hatte
.
Und er schuf sich selbst einen großen Äon. Und in (15) jenem Äon schuf er
sechs Äonen mit ihren Welten, die waren sechs an der Zahl, die siebenmal besser
waren als die Himmel des Chaos und ihre Welten. Alle diese Äonen und ihre
Welten befinden sich in der Unendlichkeit, (20) das heißt zwischen dem achten
(Himmel) und dem Chaos unter ihm, wobei sie zu der Welt, die zu der Armut gehört,
gerechnet werden.
Wenn du die Anlage von diesen wissen willst, wirst du sie
geschrieben finden in der Siebten Welt des Propheten Hieralias.
Der Plan des Jaldabaoth und der Archonten: die Erschaffung
des Menschen
(25) Bevor sich aber der Adam des Lichtes
aus dem Chaos zurückgezogen hatte, sahen ihn die Mächte und lachten den
Archigenetor aus, weil er gelogen hatte, als er sagte: ,,Ich bin Gott. Niemand
existiert vor mir.``
Als sie nun (30) zu ihm kamen, sagten sie: ,,Ist dieser etwa nicht der Gott, der
unser Werk vernichtet hat?`` Er antwortete und sagte: ,,Ja. Wenn ihr nicht
wollt, daß er in der Lage ist, unser Werk zu vernichten, dann laßt uns einen
Menschen aus der Erde erschaffen, nach (35) dem Bild unseres Körpers und nach
dem Abbild ( 113.1) von diesem (sc. Adam des Lichtes), daß er uns diene,
damit er, wenn er sein Ebenbild sieht, es liebe. Nicht länger wird er unser
Werk vernichten, sondern wir werden die, die aus dem Licht geboren sind, zu
unseren Dienern machen (5) in der ganzen Zeit dieses Äons.``
Dieses alles ist entstanden entsprechend der Voraussicht
(Pronoia) der Pistis, damit jener Mensch in Erscheinung trete nach seinem Abbild
und sie verurteile durch ihr Gebilde. Und ihr Gebilde (10) wurde zu einer Umzäunung
des Lichtes. Da begriffen die Mächte, daß sie den Menschen erschaffen sollten.
Die Reaktion der Sophia Zoe: die Hervorbringung des Menschen
der Sophia Zoe
Es kam ihnen zuvor Sophia Zoe; sie ist die,
die mit Sabaoth ist. Sie lachte über ihren Beschluß: ,,Denn sie sind blind.
(15) Gegen ihre eigenen Interessen haben sie ihn erschaffen in Unwissenheit. Und
sie wissen nicht, was sie im Begriff sind zu tun.`` Aus diesem Grund ist sie
ihnen zuvorgekommen und machte ihren eigenen Menschen zuerst, damit er ihr
Gebilde belehre, wie es sie verachten soll (20) und in welcher Weise es vor
ihnen (sc. die Archonten) gerettet werde.
Die Hervorbringung des Unterweisers ereignete sich aber auf
folgende Weise
:
Als die Sophia einen Lichttropfen fallen ließ, floß er auf das Wasser, und
sofort erschien ein Mensch, der mannweiblich war. (25) Jenen Tropfen gestaltete
sie zuerst als weiblichen Körper. Anschließend gestaltete sie ihn in dem Körper
nach dem Abbild der Mutter, die in Erscheinung getreten ist. Und sie vollendete
es in zwölf Monaten. (30) Ein mannweiblicher Mensch wurde hervorgebracht, den
die Griechen Hermaphrodites nennen. Und dessen Mutter nennen die Hebräer ,Eva
des Lebens`, das ist die Unterweiserin des Lebens.
Ihr Nachkomme ist das Geschöpf, (35) das Herr ist. Anschließend
nannten ( 114.1) die Mächte ihn ,das Tier`, damit er ihre Gebilde in die
Irre führe. Die Deutung von ,das Tier` ist ,der Unterweiser`. Denn er wurde
weiser als alle Wesen gefunden.
Eva nun ist die erste (5) Jungfrau, die, die ohne einen Mann
ihren ersten Nachkommen geboren hat. Sie ist es, die sich selber als Hebamme
gedient hat. Deswegen sagt man, daß sie dieses gesagt hat:
,,Ich bin der Teil meiner Mutter.
Und ich bin die Mutter.
Ich bin die Frau.
Ich bin die Jungfrau.
(10) Ich bin die Schwangere.
Ich bin die Hebamme.
Ich bin Trösterin der Wehen.
Mein Ehemann hat mich hervorgebracht.
Und ich bin seine Mutter.
Er ist mein Vater und mein Herr.
Er ist meine Kraft.
Was er wünscht, sagt er mit Verstand.
Ich bin (selbst noch in) dem Werden;
aber (15) ich habe (schon) einen Menschen als Herrn hervorgebracht.``

Über die Seelen
Dies aber durch den Willen*...* Die Seelen, die im Begriff
waren, in die Gebilde der Mächte einzugehen, wurden offenbar für Sabaoth und
seinen Christus
.
Und betreffend dieser hat die heilige Stimme gesagt: ,,Vermehrt euch und wachst!
Seid Herr (20) über alle Geschöpfe!``
Und sie sind es, die gefangen genommen wurden entsprechend ihren Schicksalen
durch den Archigenetor. Und so wurden sie in die Gefängnisse der Gebilde
eingesperrt *bis* zum Zeitpunkt der Vollendung des Äons
Die Erschaffung des irdischen Menschen
Zu diesem Zeitpunkt aber (25) gab dann der Archigenetor eine
Entscheidung denen kund, die mit ihm waren, den Menschen betreffend. Dann warf
jeder von ihnen sein Sperma in die Mitte des Nabels der Erde. Seit jenem Tag
bildeten die sieben Archonten (30) den Menschen, wobei sein Körper ihrem Körper
glich, sein Abbild aber dem Menschen glich, der sich ihnen offenbart hatte. Sein
Gebilde entstand je nach den einzelnen Teilen. Ihr Großer aber schuf (35) das
Gehirn und das Nervensystem
.
Danach offenbarte er (sc. ihr Großer) sich wie (einer), der
vor ihm war. Er wurde ( 115.1) ein seelischer Mensch. Und er wurde Adam
genannt, das ist der Vater, nach dem Namen von dem, der vor ihm existierte. Und
als sie Adam vollendet hatten, legte er ihn in ein Gefäß, weil er eine Form
empfangen hatte (5) wie eine Fehlgeburt, da kein Geist in ihm war.
Deswegen -- als sich der Oberarchon an das Wort der Pistis
erinnerte -- fürchtete er, daß der wahre Mensch in sein Gebilde hineingelange
und es beherrsche. Deswegen ließ er (10) sein Gebilde vierzig Tage ohne Seele,
er zog sich zurück, er (ver--)ließ es.
Die Entsendung des Atems der Sophia zu Adam
An dem vierzigsten Tag nun sandte Sophia Zoe ihren Atem in
Adam hinein, der keine Seele hatte. Er begann, sich auf der Erde zu bewegen.
(15) Und er konnte sich nicht erheben. Die Archonten und der Tag der Ruhe
Als dann die sieben Archonten kamen, sahen sie ihn und
gerieten in große Bestürzung. Sie kamen zu ihm herauf und bemächtigten sich
seiner. Und er (sc. der Oberarchon) sagte zu dem Atem in ihm: ,,Wer bist du? Und
(20) von wo bist du hierher gekommen?`` Er antwortete und sagte: ,,Ich bin durch
die Kraft des Menschen gekommen zur Zerstörung eures Werkes.``*...* Als sie (es
aber) hörten, priesen sie ihn, denn er hatte ihnen Ruhe gegeben vor der Furcht
und der Ängstlichkeit, in der sie sich befanden. (25) Sie nannten jenen Tag
,Ruhe`, denn sie ruhten aus von der Mühsal
.
Und als sie sahen, daß Adam sich nicht erheben konnte,
freuten sie sich, und sie nahmen ihn und setzten ihn in das Paradies. Und sie
zogen sich zurück (30) zu ihren Himmeln.
Die Erweckung Adams
Nach dem Tag der Ruhe sandte Sophia ihre Tochter Zoe, die Eva
genannt wird, als Unterweiserin, damit sie Adam, der keine Seele hatte, erwecke,
(35) damit die, die er erzeugen würde, Gefäße des Lichtes würden. Als (
116.1) Eva ihr männliches Ebenbild liegen sah, bekam sie Mitleid mit ihm,
und sie sagte: ,,Adam! Werde lebendig! Erhebe dich über die Erde!`` Sofort
wurde ihr Wort zu einem Werk. Dann, nachdem Adam (5) sich erhoben hatte, öffnete
er sogleich seine Augen. Als er sie sah, sagte er: ,,Du wirst ,die Mutter der
Lebenden` genannt werden. Denn du warst es, die mir Leben gegeben hat.``
Der Plan der Archonten gegen Eva
Darauf wurden nun die Mächte davon in Kenntnis gesetzt, daß
ihr Gebilde lebendig war und sich erhoben hatte, und sie (10) waren sehr
beunruhigt. Sie sandten sieben Erzengel, um auszukundschaften, was geschehen
war. Sie kamen zu Adam. Als sie Eva zu ihm reden sahen, sagten sie zueinander:
,,Welcher Art ist diese Lichtfrau? Sie gleicht nämlich auch jenem Abbild, das
uns erschienen war (15) in dem Licht. Kommt nun! Wir wollen uns ihrer bemächtigen
und unseren Samen in sie aussäen, so daß sie, wenn sie befleckt ist, nicht
mehr in der Lage ist, zu ihrem Licht hinaufzusteigen! Vielmehr werden die, die
sie gebären wird, unter (20) unserem Befehl sein. Aber laßt es uns nicht Adam
sagen, denn er ist keiner von uns! Sondern wir wollen einen tiefen Schlaf über
ihn bringen! Und laßt uns ihn in seinem Schlaf unterweisen, als ob sie aus
seiner Rippe entstanden sei, damit die Frau ihm gehorchen werde (25) und er Herr
über sie sei!``
Da lachte Eva, die eine Gewalt war, über ihren Beschluß. Sie
blendete ihre Augen, und im Geheimen ließ sie ihr Abbild bei Adam. Sie ging in
den Baum der Erkenntnis hinein und blieb dort. (30) Und sie verfolgten sie, und
sie offenbarte ihnen, daß sie in den Baum hineingegangen und zu einem Baum
geworden sei. Als sie aber in große Furcht gerieten, flohen die Blinden.
Die versuchte Schändung der Unterweiserin Eva
Als sie anschließend aus dem Schlaf erwachten, kamen sie (35)
[zu Adam]. Und als sie das Abbild dieser Frau ( 117.1) bei ihm sahen,
gerieten sie in große Verwirrung, wobei sie dachten, daß dies die wahre Eva
sei. Und sie griffen an; sie kamen zu ihr und bemächtigten sich ihrer und säten
ihren Samen in sie aus. Sie handelten (5) in Schlechtigkeit an ihr, wobei sie
sie nicht nur in natürlicher Weise befleckten, sondern auch in Ausschweifung/Mißbrauch,
indem sie zuerst das Siegel ihrer Stimme
befleckten -- die mit ihnen gesprochen hatte, sagend: ,,Was ist das, das vor
euch existierte?`` --, um dann die zu beflecken, die sagen könnten (10) zum
Zeitpunkt der Vollendung, daß sie hervorgebracht worden waren durch den wahren
Menschen mittels eines Wortes
.
Und sie irrten sich, weil sie nicht wußten, daß es ihr eigener Körper war,
den sie befleckten: es war (nur) das Abbild, das die Mächte und ihre Engel in
jeder Weise befleckt haben.
Die Nachkommenschaft der Eva
(15) Zuerst wurde sie schwanger mit Abel, durch den ersten
Archon. Und es geschah durch die sieben Mächte und ihre Engel, daß sie die
anderen Söhne gebar. Alles dieses ereignete sich aber nach der Voraussicht
(Pronoia) des Archigenetor, (20) damit die erste Mutter allen Samen in sich
hervorbringe, wobei er vermischt ist und eingefügt ist in das Schicksal der
Welt und ihre Gestalten und (in) die Gerechtigkeit. Ein Plan entstand (25) wegen
Eva, damit die Gebilde der Mächte zu Umzäunungen für das Licht würden,
woraufhin es (sc. das Licht) sie verurteilen würde durch ihre (sc. der
Archonten) Gebilde.
Der erste Adam nun ist geistig
,
und er trat in Erscheinung (30) am ersten Tag. Der zweite Adam ist seelisch, und
er trat am sechsten Tag in Erscheinung, der Aphrodite genannt wird. Der dritte
Adam ist ein Geschöpf der Erde, das heißt (35) der Mensch des Gesetzes, und er
trat in Erscheinung am achten Tag [... die] Ruhe ( 118.1) von der Armut,
welcher genannt wird ,Sonntag`.
Die Nachkommenschaft des irdischen Adam wurde aber zahlreich,
sie wurde vollendet
und brachte in sich hervor alle Kenntnisse des (5) seelischen Adam. Aber alle
befanden sich in Unwissenheit
.
Als nächstes laß mich sagen: Als die Archonten ihn und die,
die mit ihm war, sahen, wie sie unwissend wie die Tiere in die Irre gingen,
freuten sie sich sehr.
Über den Baum der Erkenntnis
(10) *...* Als sie erfahren hatten, daß der unsterbliche
Mensch nicht im Begriff war, sie zu vernachlässigen, sondern daß sie ebenso
die, die sich in einen Baum verwandelt hatte, fürchten müßten, gerieten sie
in große Verwirrung, und sie sagten: ,,Vielleicht ist dies der wahre Mensch --
dieser, der uns geblendet hat und (15) uns gelehrt hat, daß die, die befleckt
war, ihm gleicht -- und durch ihn sollen wir besiegt werden!``
Darauf berieten sich sieben von ihnen. Sie kamen zu Adam und
Eva in Furcht; sie sagten zu ihm: ,,Alle Bäume, die im Paradies sind, (20) sind
für euch geschaffen worden, wobei ihre Früchte gegessen werden sollen. Aber
vor dem Baum der Erkenntnis nehmt euch in acht, und eßt nicht von ihm. Wenn ihr
eßt, werdet ihr sterben.``
Nachdem sie ihnen große Furcht eingeflößt hatten, zogen sie sich zurück zu
ihren Mächten.
Darauf (25) kam der, der weiser ist als alle Geschöpfe, der
,das Tier` genannt wurde. Und als er das Abbild seiner Mutter Eva sah, sagte er
zu ihr: ,,Was hat Gott zu euch gesagt? Etwa: ,Eßt nicht von dem Baum (30) der
Erkenntnis?``` Sie sagte: ,,Er hat gesagt: ,Nicht nur iß nicht von ihm, sondern
berühre ihn auch nicht, damit du nicht stirbst.``` Er sagte zu ihr: ,,Seid
nicht ängstlich. Ihr werdet nicht des Todes sterben. Denn er weiß: Wenn ihr eßt
( 119.1) von ihm, wird euer Verstand nüchtern werden, und ihr werdet wie
Götter sein, wobei ihr den Unterschied kennt, der zwischen den schlechten und
guten Menschen besteht. (5) Dieses hat er euch nun gesagt im Neid, damit ihr
nicht von ihm essen möget.``

Eva nun hatte Vertrauen in die Worte des Unterweisers. Sie
betrachtete den Baum und sah, daß er schön und appetitanregend war; und sie
gewann ihn lieb. Sie nahm von (10) seinen Früchten und aß sie; ebenso gab sie
davon ihrem Ehemann, und er aß ebenfalls. Darauf wurde ihr Verstand geöffnet.
Denn als sie gegessen hatten, schien das Licht der Erkenntnis auf sie. Als sie
sich mit Scham bekleidet hatten, wußten sie, daß sie entblößt gewesen waren
(15) von der Erkenntnis. Als sie nüchtern geworden waren, sahen sie, daß sie
nackt waren, und sie entflammten aus Liebe füreinander. Als sie sahen, daß
die, die sie gebildet hatten, die Gestalt von Tieren hatten, verabscheuten sie
sie; sie wurden sehr wissend.
Als dann die Archonten erkannten, daß sie (20) ihr Gebot übertreten
hatten, kamen sie in das Paradies und zu Adam und Eva mit Erdbeben und
gewaltiger Drohung, um die Wirkung der Hilfe zu sehen. Darauf waren Adam und Eva
sehr bestürzt (25) und versteckten sich unter den Bäumen, die im Paradies
sind. Da wußten die Archonten nicht, wo sie waren, und sagten: ,,Adam, wo bist
du?``
Er sagte: ,,Ich bin hier; denn aus Angst vor euch habe ich mich verborgen, weil
ich mich schämte.`` Und sie sagten zu ihm in Unwissenheit: ,,(30) Wer hat dir
über die Scham erzählt, mit der du dich gekleidet hast, -- es sei denn, du
hast von jenem Baum gegessen?`` Er sagte: ,,Die Frau, die du mir gegeben hast --
sie war es, die mir gegeben hat, und ich habe gegessen.``
Darauf sagten sie zu ihr ,,( 120.1) Was hast du getan?`` Sie antwortete
und sagte: ,,Der Unterweiser war es, der mich angestachelt hat, und ich habe
gegessen.``
Darauf kamen die Archonten zu dem Unterweiser. Ihre Augen
wurden durch ihn geblendet, (5) und sie waren nicht in der Lage, ihm etwas zu
tun. Sie verfluchten ihn, weil sie machtlos waren. Anschließend kamen sie zu
der Frau und verfluchten sie und ihren Nachwuchs. Nach der Frau verfluchten sie
Adam und seinetwegen die Erde; und die Früchte und alle Dinge, die sie
geschaffen hatten, (10) verfluchten sie
.
Bei ihnen ist kein Segen. Gutes kann nicht aus Schlechtem hervorgehen. Von jenem
Tag an erkannten die Mächte, daß wirklich etwas Stärkeres als sie existierte.
Sie wußten jedoch nichts, außer daß (15) ihr Gebot nicht gehalten worden war.
Ein großer Neid wurde in die Welt gebracht allein wegen des unsterblichen
Menschen.
Die Prüfung des Adam: die Benennung der Tiere
Als die Archonten nun ihren Adam sahen, daß er in einen
anderen Erkenntniszustand gekommen war, wollten sie ihn auf die Probe stellen,
und sie versammelten (20) alles Vieh und die (wilden) Tiere der Erde und die Vögel
des Himmels und brachten sie zu Adam, um zu sehen, wie er sie nennen würde. Als
er sie sah, benannte er ihre (sc.\ der Archonten) Geschöpfe. Sie waren bestürzt,
denn Adam war aus (25) allen Zuständen der Unwissenheit aufgewacht
Die Vertreibung des Menschen aus dem Paradies
Sie versammelten und berieten sich, und sie sagten: ,,Schaut
auf Adam! Er ist uns gleich geworden, so daß er den Unterschied zwischen dem
Licht und der Dunkelheit kennt. Vielleicht wird er verleitet werden wie bei (30)
dem Baum der Erkenntnis und wiederum hingehen zum Baum des Lebens und von ihm
essen und unsterblich werden und Herr werden und uns verachten und [uns] und
alle unsere Herrlichkeit geringschätzen. Dann wird er ein Gericht bringen über
(35) [uns und unsere] Welt. Kommt, laßt uns ihn hinauswerfen ( 121.1)
aus dem Paradies hinab auf die Erde, aus der er genommen wurde, so daß er von
jetzt an nicht in der Lage ist, irgendetwas besser als wir zu wissen!`` Und
so warfen sie Adam hinaus aus (5) dem Paradies, zusammen mit seiner Frau.
Und das, was sie getan hatten, genügte ihnen nicht. Sondern
sie hatten (immer noch) Angst. Sie liefen zu dem Baum des Lebens, und sie
umgaben ihn mit großen, fürchterlichen Dingen, feurigen Lebewesen, genannt
Cherubim, und sie stellten (10) ein flammendes Schwert in ihre Mitte, das sich fürchterlich
dreht zu jeder Zeit, so daß kein irdisches Geschöpf jemals zu jenem Ort kommt
.
Als die Archonten anschließend neidisch auf Adam waren,
wollten sie ihre (sc. Adams
und Evas) (15) Lebenszeiten herabsetzen. (Dazu) waren sie nicht in der
Lage wegen des Schicksals, das festgesetzt ist von Anfang an. Denn allen wurden
ihre Lebenszeiten zugeteilt von tausend Jahren gemäß dem Lauf der Erleuchter.
Aber weil die Archonten nicht in der Lage waren, (20) so zu handeln, nahm jeder
von den schlecht Handelnden zehn Jahre weg. Und die gesamte Lebenszeit, (die übrigblieb,)
ergab 930 Jahre
;
und diese sind in Betrübnis und Schwachheit und bösen (25) Mühsalen. Und so
vollzog sich das Leben, von jenem Tag an bis zum Zeitpunkt der Vollendung des Äons.
Die Reaktion der Sophia: Die Vertreibung der Archonten aus
dem Himmel
Als nun Sophia Zoe sah, daß die Archonten der Finsternis
einen Fluch auf ihre Ebenbilder gelegt hatten, wurde sie ungehalten. (30) Und
nachdem sie aus dem ersten Himmel herauskam mit aller Kraft, vertrieb sie die
Archonten aus [ihren] Himmeln, und warf sie hinab in die sündenbeladene [Welt],
damit sie sich dort aufhalten würden wie schlechte (35) Dämonen auf der Erde.
Über den Phönix
[...] ( 122.1) damit es in ihrer Welt tausend Jahre,
die im Paradies sind, zubringe -- ein seelisches Lebewesen, genannt Phönix
Es pflegt sich selbst zu töten, und es belebt sich selbst als ein Zeuge (5) für
das Gericht über sie.
Denn sie haben Adam und seinem Geschlecht Unrecht getan bis
zum Zeitpunkt der Vollendung des Äons.
*...* sind *...* drei Menschen und seine Geschlechter bis zum
Zeitpunkt der Vollendung der Welt: der geistige des Äons, der seelische und der
irdische.
Ebenso (10) die drei Phönixe *im* Paradies: der erste [ist]
unsterblich, der zweite lebt tausend Jahre. Bezüglich des dritten steht im Heiligen
Buch, daß er verzehrt wird.
So gibt es ebenso drei Taufen: die erste ist geistlich, (15)
die zweite ist (von) Feuer, die dritte ist (von) Wasser.
Wie die Phönixgestalten in Erscheinung treten als Zeugen
betreffend die Engel, so verhält es sich (auch) mit den Wasserhydren in Ägypten,
die Zeugen sind für die, welche herabsteigen (20) zur Taufe eines wahren
Menschen.
Die zwei Stiere in Ägypten besitzen ein Mysterium, die Sonne
und den Mond, wobei sie Zeugen sind für Sabaoth, da sie über *ihm* sind.
Sophia hat die Welt empfangen. Seit (25) dem Tag, an dem sie
die Sonne und den Mond erschaffen hatte, setzte sie ein Siegel auf ihren Himmel
bis zum Äon. Und der Wurm, der aus dem Phönix heraus geboren wurde, ist
wiederum menschlich. Es steht geschrieben über ihn: ,,Der Gerechte wird wachsen
wie ein Phönix
.``
Und (30) der Phönix tritt zuerst lebendig in Erscheinung und stirbt und erhebt
sich wieder, wobei er ein Zeichen ist für den (oder: das), der (das) offenbar
geworden ist in dem Zeitpunkt der Vollendung des Äons.
Lediglich in Ägypten [erschienen] (35) diese großen Zeichen
-- nirgendwo sonst -- als ein Zeichen, ( 123.1) daß es (sc. Ägypten)
dem Paradies Gottes gleicht
.
Über das Wirken der Archonten gegen den Menschen: die Verführung
durch die Dämonen
Laßt uns nun wieder zurückkehren zu den
oben besprochenen Archonten, damit wir einen Beweis über sie bieten
!
Als nun die sieben Archonten (5) hinabgeworfen wurden aus
ihren Himmeln auf die Erde, erschufen sie sich Engel, zahlreiche, dämonische,
damit sie ihnen dienen. Sie unterwiesen die Menschen aber in vielen Irrtümern
und Magie und Giftmischerei und (dem) Dienst (10) an Götzen und Blutvergießen
und Altären und Tempeln und Opfern und Trankopfern für alle Dämonen der Erde,
wobei sie Heimarmene (=Schicksal) zu ihrer Mitarbeiterin hatten, welche
entstanden ist in Übereinstimmung durch die Götter der Ungerechtigkeit (15)
und der Gerechtigkeit.
Und als die Welt so in Verwirrung geraten war, ging sie
allezeit in die Irre. Denn alle Menschen auf Erden dienten den Dämonen von der
Schöpfung bis zum Zeitpunkt der Vollendung -- sowohl die Engel (20) der
Gerechtigkeit als auch die Menschen der Ungerechtigkeit. So geriet die Welt in
Verwirrung, in Unwissenheit und in Vergessen. Sie alle gingen in die Irre bis
zur Ankunft des wahren Menschen.
Belehrender Einwurf
Laßt dies genügen (25) bis hierhin! Nun wollen wir
vorangehen zu(r Behandlung) unserer Welt, damit wir ihre Beschaffenheit und
Einrichtung genau vollenden. Dann wird offenbar sein, wie der Glaube gefunden
wurde an die verborgenen Dinge, die offenbar geworden sind (30) von der
Grundlegung bis zum Zeitpunkt der Vollendung des Äons.
Ich komme nun aber zu den Hauptpunkten, die den unsterblichen
Menschen [betreffen]. Ich werde reden über alle Dinge, die zu ihm gehören
(wobei ich erkläre), weswegen sie sich an diesen Orten befinden.
Die Rettung des Menschen durch den Vater: die Entsendung der
unschuldigen Geister
Als eine Menge (35) von Menschen entstand
[durch Adam], ( 124.1) der geschaffen worden ist, und aus der Materie,
und als die Welt schon voll geworden war, waren die Archonten Herr über sie,
das heißt sie haben sie in Unwissenheit gehalten. Aus welchem Grund? (5) Aus
dem folgenden: Weil der unsterbliche Vater weiß, daß ein Mangel der Wahrheit
entstanden ist in den Äonen und ihren Welten, aus diesem Grund hat er, als er
die Archonten des Verderbens durch ihre Geschöpfe außer Kraft setzen wollte,
eure Abbilder herabgesandt in die Welt (10) des Verderbens, das sind die
gesegneten, kleinen, unschuldigen Geister. Sie sind der Erkenntnis nicht fremd.
Denn alle Erkenntnis ist in einem Engel, der (lange vor) ihnen
(sc.\ den unschuldigen Geistern) erschienen ist. Er ist nicht ohne Macht vor dem
Vater. Und *er* gab ihnen Erkenntnis
.
Über verschiedene Arten von Gesegnetheit
(15) Sogleich, wie sie in der Welt der Verderbnis erscheinen,
werden sie zuerst enthüllen (20) den Typos der Unvergänglichkeit als eine
Verurteilung der Archonten und ihrer Mächte. Als nun aber die Gesegneten
erschienen sind in Gebilden der Macht, wurden sie beneidet. Wegen des Neides
aber vermischten die Mächte ihren Samen mit ihnen, um sie (25) zu beflecken.
Sie waren nicht in der Lage dazu.
Als dann die Seligen erschienen sind in Lichtformen,
erschienen sie in unterschiedlichen Weisen. Und jeder von ihnen, kommend aus
seinem Land, offenbarte seine (Art der) Erkenntnis der Kirche, die erschienen
ist (30) in den Gebilden des Verderbens. Sie (sc. die Kirche) wurde gefunden,
indem ihr alle Samen zu eigen sind wegen des Samens der Mächte, der sich [mit
ihr vermischt hatte].
Darauf schuf der Erlöser [...] aus ihnen allen -- und die
Geister dieser [sind offenbar], (35) indem sie auserwählt sind, indem sie selig
sind ( 125.1) und indem sie (aber) wechselhaft sind in der Erwählung, --
und ebenso (schuf er) viele andere (Wesen), welche keinen König haben und
auserwählter sind als alle, die vor ihnen waren.
Daher existieren vier Geschlechter. Es sind drei, die zu den Königen
(5) des achten (Himmels) gezählt werden. Aber das vierte Geschlecht ist königlos
und vollkommen, indem es das höchste von allen ist.
Denn diese werden eingehen in den Heiligen Ort ihres Vaters.
Und sie werden ruhen in Ruhe (10) und ewiger, unaussprechbarer Herrlichkeit und
unaufhörlicher Freude. Sie sind aber Könige im Sterblichen als Unsterbliche.
Sie werden die Götter des Chaos und ihre Gewalten verurteilen.
Über das Wort, seine Aufgabe und die Bedrängung der
Archonten
Das Wort aber, das erhabener ist als (15) alles, wurde allein
zu diesem Zweck gesandt: daß es verkündige über das Unbekannte. Es sagte:
,,Es gibt nichts Verborgenes, was nicht offenbar ist, und was nicht gewußt
wurde, wird gewußt werden.``
Diese aber wurden gesandt, (20) um das Verborgene zu offenbaren und die sieben Mächte
des Chaos und ihre Gottlosigkeit. Und so wurden sie zum Tode verurteilt. Als nun
die Vollkommenen in Erscheinung traten in Gebilden (25) der Archonten und als
sie die unvergleichliche Wahrheit enthüllten, beschämten sie alle Weisheiten
der Götter. Und ihr Schicksal wurde als Verurteilung gefunden. Und ihre Gewalt
(30) erlosch. Ihre Herrschaft wurde aufgelöst. Ihre Voraussicht wurde [zur
Leere], zusammen mit ihrer Ehre.
Über das Ende dieses Äons
Vor dem Zeitpunkt der Vollendung [des Äons] wird der ganze
Ort erschüttert sein durch ein großes (Erd)beben. Dann werden die Archonten
(35) traurig sein, [...] ihr ( 126.1)
Tod. Die Engel werden um ihre Menschen trauern, und die Dämonen werden weinen
über ihre Zeiten, und ihre Menschen werden jammern und schreien über ihren
Tod. Über das gewaltige Kommen des neuen Äons
Dann wird der (neue) Äon (5) beginnen, und sie werden
verwirrt sein. Ihre Könige werden berauscht sein durch ein feuriges Schwert,
und sie werden Krieg gegeneinander führen, so daß die Erde trunken ist von dem
Blut, das vergossen ist. Und die Meere werden in Verwirrung geraten durch (10)
jene Kriege. Darauf wird die Sonne sich verfinstern. Und der Mond wird sein
Licht verlieren. Die Sterne des Himmels werden ihre Bahn verlassen. Und ein großer
Donner wird aus einer großen Kraft herauskommen, welche über (15) allen
Gewalten des Chaos ist, wo sich das Firmament der Frau befindet
.
Nachdem sie das erste Werk geschaffen hat, wird sie das weise
Feuer der Einsicht (Epinoia) ablegen und sich bekleiden mit unvernünftigem
Zorn. (20) Darauf wird sie die Götter des Chaos verfolgen, die sie geschaffen
hat, wie auch den Archigenetor. Sie wird sie hinab in die Tiefe werfen. Sie
werden ausgelöscht werden wegen ihrer Ungerechtigkeit. Sie werden sein wie
feuerspeiende Berge (25) und einander verschlingen, bis sie ausgelöscht werden
durch die Hand des Archigenetor. Wenn er sie zerstört haben wird, wird er sich
gegen sich selbst richten und sich zerstören, bis er untergeht.
Und ihre (sc. der Archonten) Himmel werden aufeinander fallen,
(30) und ihre Kräfte werden (ver)brennen. Ihre Äonen werden ebenso umgedreht
werden. Und sein (sc. des Archigenetors) Himmel wird fallen und zu zwei werden.
Sein ... wird herabfallen auf die [...] sie tragen; sie werden fallen in die
Tiefe, (35) und die Tiefe wird umgedreht werden.
Das Licht wird [... die] Finsternis und sie ausradieren. Sie
wird sein wie ( 127.1) etwas, das nie gewesen ist. Und das Werk, dem die
Finsternis gefolgt ist, wird sich auflösen. Und der Mangel wird bei seiner
Wurzel ausgerissen (und) hinab(--geworfen) in die Finsternis.
Und das Licht wird sich zurückziehen hinauf (5) zu seiner
Wurzel. Und die Herrlichkeit des Ungezeugten wird in Erscheinung treten. Und sie
wird alle Äonen füllen.
Wenn die Prophetie und die Kunde von denen, die König sind,
enthüllt werden und erfüllt werden durch die, die genannt werden (10)
,Vollkommene`, werden die aber, die nicht vollkommen geworden sind in dem
ungezeugten Vater, ihre Herrlichkeit in ihren Äonen und in den Königreichen
der Unsterblichen erlangen. Aber sie werden niemals zu der Königlosigkeit
kommen. Denn es ist für jeden notwendig, (15) an den Ort zu gehen, von dem er
gekommen ist. Denn jeder wird durch seine Handlungen und seinen Erkenntnisstand
seine Natur offenbaren.
